zerzura

 

"- Den zehnten, eilften und zwölften Tag brachten wir noch immer in dieser traurigen Einöde zu; denn wir rückten nur langsam fort. Oft sahen wir gar keinen Weg vor uns, und mußten auf eine halbe Meile Wegs über Stein-Lager hinweg ziehen... Ich fand das Gebirge allenthalben so, wie es sich dem Reisenden vom Wege aus darstellet, mit dem Unterschiede, daß sich zuweilen noch traurigere und schaudervollere Ansichten dem Auge eröffneten; denn natürlich hat man die Karawanen-Straße, so viel als möglich, durch die minder öden Thäler gezogen...
 

Am fünfzehnten Tage des Morgens begab ich mich zum ersten Truppe der Karawane, der größtentheils aus armen Pilgern bestand, die voraus eilten, um an den Brunnen, zu dem wir heute kommen mußten, so bald wie möglich ihren Durst zu stillen. Bey meiner Ankunft auf dem Wasserplatze, der Ennabé heißt, fand ich bereits einen Brunnen gereiniget und mehrere Twater um denselben herumgelagert. Als ich mich zu ihnen gesetzt hatte um mein Frühstück zu verzehren, erblickte ich einen alten Mann, der sich einen Weg durch den Sand bahnte, um schneller zum Brunnen zu kommen. Ich bot ihm, nach wechselseitigen Grüßen, eine Hand voll Datteln und etwas Fleisch an, welches er mit herzlichem Danke annahm, es küßte und seine Stirn damit berührte. Er legte die Speisen in den Sand, und begab sich zur Quelle, wo er sehr lange trank und dann mit tiefer Andacht sein Elham-Du-lillah betete. Alsdann kehrte er wieder zu uns zurück und erzählte mir, daß er seit drey Tagen kaum zur Hälfte seinen Durst gestillet habe. Diese war seine dritte Reise von Fez nach Mecca. Er war jetzt, wie man mir sagte, sechzig Jahre alt, und dabey ohne die geringste Bequemlichkeit für die Reise, ohne Lebensmittel und selbst ohne Wasser; kurz er besaß nichts, als was ihm einige gutmüthige Reisende aus Mitleiden oder aus Achtung für seine Pilgerschaft mittheilten."

 

 
 

aus: "Friedrich Hornemann  - Tagebuch seiner Reise von Cairo nach Murzuck",  Olms Verlag, Hildesheim 1997
foto: michael knappman - marokko