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Mursuck, d. 6. Apr. 1800

"- Unsere Karawane ist im Begriffe, ihre Reise nach Burnu anzutreten; ich werde mich diesen Abend zu ihr begeben.

Da ich mich ungemein wohl befinde, vollkommen an das Klima gewöhnt bin, die Arabische und auch ein wenig die Burnu-Sprache rede, da ich wohl bewaffnet, auch nicht muthlos bin und mich unter dem unmittelbaren Schutz zweyer Scheriffs befinde, so darf ich mit Recht hoffen, daß ich in meinen Unternehmungen glücklich seyn werde.

Die Sudanesische Karawane verließ Mursuck etwa vor einem Monate. Ich habe wohl daran gethan, mich ihr nicht anzuschließen, denn schon seit einiger Zeit hat man eine Menge Tibbo's umherstreifen sehen, die sicher böse Absichten auf diese Karawane haben.

Da ich der erste Europäische Reisende bin, der eine so weite Reise in diesem Theile der Welt unternimmt, so will ich den besten Gebrauch von meiner Zeit zu machen suchen, und nicht länger in Burnu bleiben, als bis Monat September, da ich mit der um diese Zeit regelmäßig von dort nach Sudan abgehenden großen Karawane meine Reise weiter fortsetzen werde.

Was die Maaßregeln betrifft, die ich nach meiner Ankunft in Sudan oder Kaschna treffen werde, so kann ich noch nichts Bestimmtes deshalb angeben; doch kann ich versichern, daß es stets mein Bestreben seyn wird, mir den Beyfall der Association zu erwerben.

Betrachten sie diesen Brief als den letzten für dieses Jahr oder vielleicht als den letzten vor meiner Ankunft in irgend einem Hafen der Küste von Afrika... (*)

Vor einigen Tagen sprach ich einen Mann, der Herrn Browne in Darfoor gesehen hatte. Er gab mir einige Nachrichten in Hinsicht der Gegenden, durch die derselbe gereiset war, und sagte, die Vereinigung des Niger mit dem Nil sey nicht zu bezweifeln, aber vor der regnigen Jahreszeit sey sie sehr unbedeutend, denn der Niger ruhe in der trocknen Jahreszeit oder sey non fluens.

Vor nicht langer Zeit geschah dasselbe in Burnu, was von Alters in Cairo gebräuchlich war - ein reich gekleidetes Mädchen wurde in den Niger geworfen.

Zufolge der Nachrichten, die ich über Sudan, und dessen Verbindung mit den westlichen und südwestlichen Küsten von Africa eingezogen habe, muß die Verbindung durch Nyffe und Jerba zwölf Mal größer seyn als die zwischen Fessan und Sudan.

Ich empfehle mich Ihrem geneigten Andenken und bin mit der größten Verehrung..." 

(unterzeichnet)
Fr. Hornemann

(* es war Hornemanns letzter Brief; seine Aufzeichnungen über die Reise an den Niger sind verschollen)


Hornemanns Karte über den damaligen Sudan

 

Brief des englischen Konsuls in Mursuk vom 25. August 1819 zu Hornemanns Tod mit 28 Jahren 1801 am Niger:

"Die genauesten Nachrichten über Hornemanns Unternehmungen, nachdem er Fessan verlassen, habe ich von einem Kaufmanne, Namens Hadjee Mohamed Ben Wirdi, gebürtig aus Angela, der mehrfach in Soudan gewesen ist, und selbst persönlich mit Hornemann bekannt war.

Sie reis'ten in Gesellschaft mit einander von Kashna nach Nyffe... Hadjee Mohamed trennte sich von Hornemann in Nyffe und ging nach Kashna zurück, ohngefähr ein Jahr nachdem er Fessan verlassen hatte. Hornemann war damals in voller Gesundheit... Nachmals hörte der Kaufmann leider, daß er zu Nyffe vom Fieber befallen worden und daselbst gestorben sey. Der Ort, wo er starb, heißt Bakana, die Hauptstadt von Nyffe, und zwar in dem Hause von Ali Felatni, einem Freunde Hadjee Mohameds."

 

aus: "Friedrich Hornemann  - Tagebuch seiner Reise von Cairo nach Murzuck",  Olms Verlag, Hildesheim 1997