Wieder bei den Seßhaften... Seit einigen
Tagen sind wir im »Dardiaf« untergebracht und finden mit Staunen zurück
zum Gebrauch gewisser fast fremd gewordener Dinge, als da sind: der
Rasierapparat, der Kamm, die Dusche, die Matratze (deren Weichheit uns am
Schlafen hindert). Staunend betrachten wir auch die neue und durchaus
ungewöhnliche Farbe unserer blankgescheuerten Füße. Nicht ohne einen
Anflug von Melancholie sahen wir unter der Bürste die warme Patina
verschwinden, welche die Wüste langsam hatte entstehen lassen.
Die Kamele, die mit dem Rest
ihrer Fetthöcker schon zu den Weideplätzen des Sudans aufgebrochen sind,
fehlen uns schrecklich. Unsere auf die Wandbretter weggeräumte
Nomadenausrüstung verleiht dem Zimmer das traurige Aussehen eines
Museums. Die Türen sind schmal, die Fenster sind schmal - und der Fliegen
wegen vergittert -, alles ist eng, und das Dach drückt auf unsere Köpfe.
Heroisch versuchen wir, wieder seßhafte Leute zu werden.
Post kommt aus Frankreich an, sie
wird uns dabei helfen. Dort weiß man schon, daß wir Tamanrasset wieder
gesund und heil erreicht haben; den Familien wurde ein Telegramm gesandt.
Nun wartet man wohl gespannt auf Einzelheiten, auf den Bericht unserer
»Eindrücke «. Wir werden ihn also erstatten müssen, und wir merken,
daß das äußerst schwierig ist. Wir reihen unbeholfen Tatsachen und
Ereignisse aneinander, die für uns nichts Außergewöhnliches mehr haben.
Es war so einfach, sich am Feuer auf den Sand zu legen, nachdem man sein
Kamel gefesselt hatte, im kalten Morgengrauen aufzustehen und wieder den
schmalen Meichbed entlangzuziehen, der sich durch die Ueds schlängelte.
Es war so selbstverständlich, Rhaued aus voller
Kehle zum Trott seines Kamels singen zu hören; so normal, jenseits weiter,
blendender Sandflächen hohe blaue Berge aufragen zu sehen; auf dem
Gesicht das Brennen der Sonne und den Odem der Wüste zu spüren ...
In der Bar des Hotels, in
deren Ecke wir müßig lange, stille Stunden hinter zu rasch geleerten
Gläsern verbringen, betrachten wir mit Vergnügen die Gesichter der Durchreisenden.
Am verblüffendsten sind in
unseren Augen diejenigen, die alle vier oder fünf Tage aus dem Flugzeug
steigen, blaß und gekleidet, als seien sie noch vor ein paar Stunden in
Frankreich gewesen, häufig mit einem fleckenlosen Tropenhelm auf dem
Kopf. Wir werden nicht müde, sie anzustaunen. Geschäftsleute, Touristen,
Beamte und vor allem die Familien von Beamten, junge bezaubernde Frauen,
die zu ihren Ehemännern zurückreisen, die irgendwo in Französisch-Äquatorialafrika
Regierungsvertreter oder Verwaltungsbeamte sind, einige Belgier, die sich
in ihren Kongo begeben. Und diese ganze Gesellschaft spaßt, lacht sehr
laut, ziert sich, flirtet und macht einen Wirbel.
In unserer kleinen dunklen
Ecke, den Rücken gegen die Wände aus getrocknetem Ton gelehnt, der -
wenn schon! - auf unsere alten Hemden abfärbt, rauchen wir Zigaretten und
machen große Augen. Die Menschen jenseits des Meeres scheinen sich wenig
verändert zu haben.